Betriebsleiter Damian Hausheer gibt Einblicke in die ARA Birmensdorf, die weit mehr ist als eine Kläranlage. Mit moderner Technik, innovativer Energieproduktion und nachhaltiger Abwasserreinigung sorgt sie für sauberes Wasser, schützt die Gewässer und stärkt Umwelt und Lebensqualität der Region.
Sie sind Betriebsleiter der ARA Birmensdorf. Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?
Eine ARA vereint viele Disziplinen. Für die Abwasserreinigung braucht es Physik, Chemie, Biologie, dazu Kenntnisse in Maschinenbau, Elektronik und Automation. Man lernt ständig Neues – keine Anlage gleicht der anderen, jede Herausforderung erfordert kreative, fachübergreifende Lösungen.
Welche Bedeutung hat die ARA Birmensdorf für die Region?
Dank moderner Abwasserbehandlung können Seen und Flüsse wieder zum Baden genutzt werden, Fische und Amphibien kehren zurück. Es ist ein wichtiger Beitrag für Umwelt und Bevölkerung. Besonders freut es mich, jährlich Schulklassen zu empfangen und die Abwasserreinigung anschaulich zu erklären.
Und wenn es die ARA Birmensdorf nicht gäbe?
Es gibt spannende Forschung zu sogenannter „Reinigung an der Quelle“, sprich sehr kleine „Kläranlagen“ in Gasthäuser oder Wohnblöcken. Auch z.B. die SAC-Hütten in weitabgelegen Gebieten, müssen Lösungen finden für die Behandlung ihres Abwassers. Grosse und zentrale Kläranlagen bieten aber oft Vorteile.
Was ist die besondere Stärke der neuen ARA?
Ein Mix aus Ideen und Austausch zwischen Mitarbeitern, Ingenieuren und Spezialisten bringt neue Konzepte hervor, die umgesetzt werden. Unterstützung von Gemeinderäten und Bevölkerung ist entscheidend. Innovation entsteht hier durch Teamwork und kontinuierliches Hinterfragen etablierter Prozesse.
Was ist die besondere Stärke der neuen ARA?
Die modulare Ozonungsstufe benötigt wenig Platz und gewährleistet dank austauschbarer Module jederzeit ausreichende Reinigungsleistung. Sie lässt sich flexibel anpassen und bietet eine nachhaltige Lösung für künftige Anforderungen.
Welche Rolle spielen die ARA-Mitarbeiter?
Sie sind das zentrale Nervensystem der Anlage: Sehen, hören, spüren, prüfen – auch automatisierte Prozesse benötigen erfahrenes Personal. Quereinsteiger bringen Ideen ein, sodass gemeinsam bessere Lösungen entstehen. Ihre Erfahrung und Kreativität sichern den langfristigen Erfolg.
Warum ist die neue EMV für die Region wichtig?
Mikroverunreinigungen können hormonelle Störungen bei Fischen und Amphibien auslösen. Die neue Anlage entfernt diese zuverlässig. Der Sandfilter hält kleine Schmutzpartikel zurück. Ich bin gespannt, wie sich Fisch- und Amphibienbestände entwickeln.
Wie sehen die Laborergebnisse der Ozonierungsanlage aus?
Die gesetzlich geforderten 80% Reduktion der Mikroverunreinigungen werden erreicht. Zusätzlich läuft ein Überwachungsprogramm für Bromat, welches durch die Ozonung aus Bromid entstehen kann. Poolbesitzer sollten nach Möglichkeit keine Bromidtabletten verwenden.
Wie produziert die ARA-Energie?
Faulgas aus dem Faulturm wird im Blockheizkraftwerk verbrannt und liefert etwa 60% des Strombedarfs. Solarpaneele erzeugen 50 kW, rund 5% des Stroms. Das Solarfaltdach über Vorklär- und Biologiebecken deckt weitere 20-30%. Damit leistet die ARA einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz.
Welche Vorteile bietet das Photovoltaikfaltdach?
Weniger Stahl durch faltbare Paneele, Kranbetrieb bei Revisionen möglich, Schatten an heissen Tagen. Nachteil: Hall-Effekte durch das Wasser unter dem Dach, hoffentlich ohne Störung der Vogelwelt. Das Dach kombiniert Effizienz mit Funktionalität.
Welche Aufgabe erfüllt das Blockheizkraftwerk?
Es liefert Strom und Wärme. Für die Bakterien in den Faultürmen ist Wärme entscheidend: Schlamm muss im Winter auf 36-39 °C erwärmt werden, was viel Energie benötigt. So wird die biologische Faulung optimal unterstützt.
Wie wird der Strom verwendet?
Faulgasstrom und Photovoltaik fliessen teilweise ins Netz; die Anlage nutzt ihn bedingt selbst, weshalb der Eigendeckungsgrad nicht hoch ist. Die Kombination sorgt dennoch für stabile Energieversorgung.
Wie lief der Betrieb während der Bauzeit?
Die neue Anlage liegt am Ende der Kläranlage, daher blieb der Betrieb weitgehend unbeeinträchtigt. Bauarbeiten wurden sorgfältig zwischen Planern, Handwerkern und Betrieb abgestimmt.
Gab es Leistungseinbussen während der Bauzeit?
Nein, nur kleine Provisorien waren nötig. Das Solarfaltdach wurde ohne Beckenleerungen installiert, die Reinigungsleistung blieb konstant.
Wie haben sich Unterhaltsarbeiten verändert?
Das Photovoltaikfaltdach wird extern gewartet. Beschattung kann Moos auf Betonrändern fördern. Die EMV-Anlage bringt neue Pumpen, Ventile, Leitungen und Elektronik, die geprüft werden müssen. Zusätzliche Labormessungen sichern die gesetzliche Reinigungsleistung.
Ihre Vision für den Umgang der Bevölkerung mit Wasser?
Viele Menschen schätzen den Wert des Wassers, wie Abstimmungen zeigen. Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung weiterhin Klär- und Trinkwasserwerke besucht und sieht, mit wie viel Präzision, Engagement und Stolz unsere Wasseraufbereitung funktioniert – für Umwelt, Natur und kommende Generationen.