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  1. Verband
  2. Interview Präsident

Ringo Keller – Präsident des Gemeindeverbandes ARA Birmensdorf

«Nutzen, Kosten und langfristiger Mehrwert – entscheidend für eine ARA»

Die ARA Birmensdorf setzt seit Jahren Massstäbe in Umwelt- und Energiefragen. Präsident Ringo Keller erklärt, wie die neue Anlage zur Elimination von Mikroverunreinigungen und das Photovoltaik-Faltdach die örtliche ARA revolutionieren, die Energieeffizienz steigern und langfristig Gewässer und Klima schützen.

Sie sind bereits seit 18 Jahren Präsident des Zweckverbandes ARA Birmensdorf. Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe?

Mich fasziniert die Verbindung von Verantwortung, Technik und Gemeinwohl. Die Arbeit der ARA läuft oft im Hintergrund, ist aber zentral für Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität. Gemeinsam mit Fachleuten und Gemeinden nachhaltige, langfristige Lösungen zu gestalten, motiviert mich auch nach 18 Jahren noch. 

 

Als Präsident waren Sie massgeblich an der EMV und am Photovoltaik-Faltdach beteiligt. Inwiefern beeinflusste dieses Projekt Ihre Arbeit?

Die Projekte erweiterten den Fokus meiner Arbeit: vom laufenden Betrieb hin zu strategischen Fragen der Umwelt- und Energieverantwortung. Abstimmungen zwischen Technik, Politik und Gemeinden sowie transparente Kommunikation von Nutzen, Kosten und langfristigem Mehrwert waren entscheidend. Gleichzeitig wurde die ARA zu einer modernen Infrastruktur mit eigener Energieproduktion. 

 

Weshalb musste eine EMV gebaut werden? War dieser Schritt unumgänglich?

Ja, unumgänglich. Bund und Kantone verlangen bei grossen ARA eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroverunreinigungen wie Medikamenten- oder Chemikalienrückständen. Diese Stoffe lassen sich mit der klassischen Reinigung nicht ausreichend entfernen. Mit der EMV erfüllt die ARA die gesetzlichen Vorgaben und schützt die Gewässer langfristig.

 

Wie gestaltete sich die Projektierung dieser EMV? Und wie lange dauerte sie?

Die Projektierung war anspruchsvoll: Integration in die bestehende Anlage, begrenzter Platz und laufender Betrieb während der Bauphase. Hinzu kamen technische, energetische und wirtschaftliche Fragen sowie die Abstimmung der Finanzierung zwischen den Verbandsgemeinden.

 

Mit welchen Schwierigkeiten wurden Sie in der Projekt- und Bauphase konfrontiert?

Dank sorgfältiger Planung und hervorragender Ingenieurleistungen traten keine grösseren Schwierigkeiten auf. Potenzielle Herausforderungen wurden früh erkannt, geprüft und berücksichtigt, sodass die Bauphase insgesamt reibungslos verlief.

 

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Gemeinden? Gab es Opposition?

Die Zusammenarbeit war konstruktiv und vertrauensvoll. Nennenswerte Opposition gab es nicht, da die EMV als gesetzlich notwendig und ökologisch sinnvoll anerkannt war. Die Zu-stimmung an der Urne war entsprechend hoch.


Ringo Keller, Präsident des Gemeindeverbandes ARA Birmensdorf

Welche Probleme mussten dabei beseitigt werden?

Aufgrund der breiten Zustimmung traten keine wesentlichen Probleme auf. Es gab lediglich kleinere organisatorische Abstimmungen, die unkompliziert gelöst wurden.

 

Für welches EMV-System haben Sie sich entschieden? Und weshalb?

Wir wählten die Ozonisierung. Sie überzeugt durch hohe Wirksamkeit, geringen Platzbedarf, gute Integration in die bestehende Anlage und hohe Betriebssicherheit.

 

Wie funktioniert dieses System?

Dem gereinigten Abwasser wird Ozon zugeführt, das Mikroverunreinigungen in kleinere, unschädliche Bestandteile zerlegt. Diese werden anschliessend entfernt, bevor das Wasser in die Gewässer gelangt.

 

Welchen Mehrwert bringt die EMV für die ARA und die Region?

Die ARA profitiert von einer verbesserten, rechtssicheren Abwasserbehandlung. Die Region von saubereren Gewässern und einem nachhaltigen Beitrag zum Umwelt- und Gewässerschutz.

 

Warum haben Sie sich für ein Photovoltaik-Faltdach entschieden?

Kläranlagen sind energieintensiv. Mit Solarstromproduktion vor Ort können wir einen Teil des Bedarfs selbst decken, Lastspitzen abfedern und die Abhängigkeit von externen Quellen reduzieren.

 

Sehen Sie weiteres Potenzial für Energiegewinnung?

Ja, durch zusätzliche Photovoltaikflächen auf Gebäuden oder Infrastrukturen und Effizienzsteigerungen bei Technik, Steuerungen und Prozessen.

 

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Projektzeit zurück?

Rückblickend mit Zufriedenheit und Stolz. Die Zusammenarbeit war konstruktiv, die leichten Verzögerungen sind bei komplexen Projekten üblich und mindern den Nutzen nicht.

 

Welche Bedeutung haben EMV und Photovoltaik-Faltdach für Sie?

Sie symbolisieren Nachhaltigkeit, Innovationskraft und Verantwortung. Gleichzeitig erfüllen sie konkrete Aufgaben: sauberes Wasser und ein Beitrag zum Klimaschutz.

 

Wo steht die ARA in zehn Jahren?

Die ARA wird modern, leistungsfähig und nachhaltig betrieben sein. Weitere grosse Bauprojekte oder neue Gemeinden sind nicht geplant. Fokus liegt auf Optimierung, Effizienz und Betriebssicherheit.

 

Ihre Vision für die ARA Birmensdorf?

Eine klimafreundliche, zukunftsfähige Anlage, die höchste Umweltstandards erfüllt und als Vorbild für nachhaltige kommunale Infrastruktur wirkt.

 

Und für sich selbst?

Ich wünsche mir ein Team, das stolz auf seine Anlage ist - ökologisch verantwortungsvoll, wirtschaftlich vernünftig und menschlich gut geführt. Das ist für mich der Massstab für Erfolg.

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